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Den Kindern verpflichtet – 30 Jahre ifs Familienarbeit und Ambulanter Familiendienst

Röthis, den 7. Juni 2017

Seit 1987 unterstützen die ifs Familienarbeit und der Ambulante Familiendienst des Vorarlberger Kinderdorfs sozial benachteiligte Familien im Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe. Zum Wohl der betroffenen Kinder wird versucht, den Kreislauf von Armut, Erschöpfung, Entmutigung und fehlenden Chancen zu durchbrechen.

Die Familien zu Hause aufzusuchen und direkt vor Ort Hilfe anzubieten, stellte vor 30 Jahren einen neuen und außergewöhnlichen Ansatz dar. Damit wurde die Kluft zwischen Beratungsangeboten, die freiwillig in Anspruch genommen werden, und der Arbeit der ehemaligen „Jugendämter“ im Zwangskontext geschlossen.

Wenn der Alltag zur Zerreißprobe wird
Es gibt viele Gründe, warum Familien die Unterstützung der Kinder- und Jugendhilfe benötigen. Sich trotz widriger Umstände über Wasser zu halten, bindet alle Ressourcen und führt oft zur sozialen Erschöpfung. Die alltäglichen Bedürfnisse der Kinder, steigende materielle Anforderungen, fehlende Ausbildungen, der angespannte Arbeits- und Wohnungsmarkt, mangelnde gesellschaftliche Teilhabe und vieles mehr machen das Alltagsleben für Familien zur Zerreißprobe. Dieser Erschöpfung und Entmutigung der Familien wird von der ifs Familienarbeit und dem Ambulanten Familiendienst  mit unterstützenden und fördernden  Maßnahmen begegnet – damals wie heute.

Ressourcen für nachhaltige Unterstützung fehlten
„Jene Familien, in denen das Wohl der Kinder gefährdet war, waren dem damaligen Jugendamt – heute Kinder- und Jugendhilfe – bekannt“, erklärt Maria Feurstein, Geschäftsführerin der ifs Familienarbeit. „Aber es fehlte an Ressourcen, um diese Familien intensiv und nachhaltig zu unterstützen. Deshalb beschlossen öffentliche und private Träger im Sinne des Kindswohls zu kooperieren.“ So übernahm im Unterland der Ambulante Familiendienst des Vorarlberger Kinderdorfs und im Oberland die ifs Familienarbeit die nachgehende Unterstützung. Als „tragende Säulen in der Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe“ sieht LR Katharina Wiesflecker die ambulanten Hilfen. „Kinder in Krisen brauchen Sicherheit. Familien in Krisen brauchen Unterstützung. Schnell, unbürokratisch, vor Ort.“

Armut macht krank
„Viele Familien, mit denen wir zu tun haben, leben unter belastenden Bedingungen“, berichtet Alice Hagen-Canaval, Leiterin des Ambulanten Familiendienstes und verweist auf die Ergebnisse einer internen Erhebung, in deren Rahmen Ende des Jahres 2016 bei 450 landesweit begleiteten Familien die Lebensumstände genauer betrachtet wurden. In knapp der Hälfte der Familien lebt nur ein Elternteil in der Familie. 21 Prozent der Eltern haben eine psychische Erkrankung, zehn Prozent eine Suchterkrankung. Bei über 17 Prozent der Familien leidet zumindest ein Familienmitglied an einer schweren körperlichen Erkrankung. 66 Prozent der Familien leben zum Teil oder ganz von Transferleistungen, bei Alleinerziehenden sind es sogar 84 Prozent. Finanzielle Rücklagen sind unter diesen Umständen nicht vorhanden; knapp 74 Prozent der Alleinerziehenden können sich beispielsweise eine unvorhergesehene Ausgabe in der Höhe von 500 Euro nicht leisten.

Kreisläufe der Erschöpfung durchbrechen
„Diese Bedingungen hindern das Fortkommen und die Weiterentwicklung von Kindern und ihren Eltern“, sind sich Alice Hagen-Canaval und Maria Feurstein einig. „In unserer Arbeit versuchen wir, den Kreislauf von Armut, Erschöpfung, Entmutigung und fehlenden Chancen zu durchbrechen. Wir setzen dort an, wo persönliche Ressourcen vorhanden sind – anders ist das Großziehen von Kindern unter widrigen Umständen nicht zu stemmen – und arbeiten gleichzeitig an der Verringerung von Gefährdungen. Damals wie heute steht die Verbesserung von Lebensumständen für Kinder wie für ihre Eltern im Mittelpunkt.“

Fact-Box: Ergebnisse der Erhebung 2016

  • 46% der Familien sind alleinerziehend
  • 21% der Eltern haben eine diagnostizierte psychische Erkrankung, bei weiteren 20% ist eine ärztliche Abklärung angezeigt
  • 10% der Eltern haben eine diagnostizierte Suchterkrankung, bei weiteren 10% starke Anzeichen für eine solche
  • 17% der Familien haben eine schwere körperliche Erkrankung zu bewältigen
  • 20% der Eltern haben keinen oder nur einen Pflichtschulabschluss
  • 20% erleben aktuell körperliche Gewalt
  • 22% erleben aktuell psychische Gewalt
  • 66% der Familien leben zum Teil oder ganz von Transferleistungen, bei alleinerziehenden sind es 84%


Für 56 % der Familien ist eine unerwartete Ausgabe von €500.- nicht finanzierbar, bei den alleinerziehenden sind es gar 74%.

In über 15% ist die Wohnsituation für die Kinder belastend (zu eng, schwer beheizbar…)

Kontakt

Alice Hagen-Canaval
a.hagen-canaval@voki.at.
T  05574/4992-51

 

 

 

 

Maria Feurstein
maria.feurstein@ifs.at.
T (0)5 1755 575

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