jahresbericht14

5 Jahresüberblick die Demokratische Republik Kongo, Tschad und die Zentralafrikanische Republik. Mitmenschlichkeit ist gefragt Wir, die wir in einem der friedlichs- ten und reichsten Länder leben dür- fen, dürfen die Augen vor den Prob- lemen der Ärmsten dieser Welt nicht verschließen. Viele Menschen in Ös- terreich tun das auch nicht, wie wir in den vergangenen Wochen erleben konnten. Solidarität, Empathie und Mitmenschlichkeit sind gefragt und sind in hohem Ausmaß vorhanden. Auf diese Werte kann eine Gesell- schaft bauen. Diese Werte brauchen wir, um unser Gesellschaftssystem, unseren Sozialstaat und damit un- seren Frieden und unseren Wohl- stand aufrechtzuerhalten. Es ist an uns zu helfen, um weiteres Leid zu verhindern. Und gleichzeitig dürfen wir bei all dem Leid, das in der Welt herrscht, nicht darauf vergessen, dass auch im wohlhabenden Österreich, in Vor- arlberg Menschen in Not sind. Auch wenn wir in einem der friedlichsten Staaten der Erde leben, sehen sich Menschen tagtäglich häuslicher Ge- walt ausgesetzt. Auch wenn wir in einem der reichsten Länder der Welt leben, sind zahlreiche Menschen von Armut betroffen. 1,6 Millionen galten 2014 in Österreich als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Alleine in Vorarlberg sind rund 19.000 Kinder und Jugendliche armutsgefährdet oder laufen Gefahr, aus wirtschaft- lichen Gründen ausgegrenzt zu wer- den. Zudem sehen sich immer mehr Menschen mit Problemen konfron- tiert, die unsere Wohlstandsgesell- schaft mit sich bringt. Die heutige Schnelllebigkeit, der stetige Zeit- und Leistungsdruck, die Komplexität des Lebens und die Reizüberflutung überfordern zunehmend. Depressi- onen und Burn-Out-Erkrankungen nehmen zu. Den Herausforderungen begegnen Im ifs haben wir es uns zum Ziel gesetzt, Menschen in Krisen- und Notsituationen zu unterstützen. Im Auftrag von Land Vorarlberg, Ge- meinden und Bund investieren wir in Menschen und machen uns für Hilfe- suchende stark. Insgesamt betrachtet stand das Jahr 2014 für das ifs weniger im Zeichen des Ausbaus als viel mehr im Zeichen der inneren Differenzierung. Neuen Herausforderungen wurde mit Um- anstatt Ausbau begegnet. Die Angebote der einzelnen Fachbereiche wurden kontinuierlich weiterentwi- ckelt und wenn nötig adaptiert. Das sei an zwei nachfolgenden Beispielen verdeutlicht: Seit April 2014 gilt der neue Psycho- therapie-Vertrag zwischen Land Vorarlberg, Vorarlberger Gebiets- krankenkasse und dem ifs, in dessen Rahmen das ifs beauftragt wurde, die nicht-ärztliche Psychotherapie in Vorarlberg zu organisieren und zu erbringen. Diese Neuorganisation brachte Chancen und Herausfor- derungen mit sich, Neues wurde gedacht und entwickelt. Nun werden die rund 25.000 Psychotherapiestun- den im Rahmen des Angebotes „Psy- chotherapie Vorarlberg“ gemeinsam von 18 angestellten sowie 23 nieder- gelassenen, freiberuflichen Psycho- therapeutInnen, die einen Werks- vertrag mit dem ifs abgeschlossen haben, erbracht. In Zusammenarbeit mit unseren Vertragspartnern, den Sozialversicherungsträgern und dem Land Vorarlberg versuchen wir, die- ses Angebot weiter zu differenzieren und zu entwickeln. In der Fachgruppe ifs Sozialpädago- gik – ein zweites Beispiel – sind wir stets darum bemüht, in jeder einzel- nen Situation und für jeden einzel- nen jungen Menschen eine optimale und auch individuell abgestimmte Lösung zu erarbeiten. In diesem Zu- sammenhang sind wir immer wieder gefordert, bestehende Angebote zu verändern und zu adaptieren, um so neue, flexiblere und auf die jeweilige Lebenssituation der Jugendlichen abgestimmte Angebote zu schaffen. Diese Notwendigkeit der Weiter- entwicklung war beispielsweise im Rahmen von komplexen Fallkonstel- lationen mit hochproblematischen Jugendlichen gegeben. Eine Lösung wurde in der Zusammenführung des „Jugend-Intensiv-Programms“ mit der „Flexiblen intensivpädago- gischen Betreuung“ gefunden. Ziel war es, eine pädagogisch flexiblere Arbeitsform zu entwickeln, welche die individuelle Problemsituation der Jugendlichen und ihrer Lebensum- gebung zielgerichtet in den Mittel- punkt rückt und gleichzeitig die An- passung der langen Intensivzeiten an die jeweilige Ausgangslage zulässt. Prävention am Prüfstand Prävention ist im psychosozialen Bereich von besonderer Bedeutung. Diese umfasst die Gesamtheit aller Maßnahmen, die der Verhinderung des Eintretens oder Fortschreitens psychosozialer Probleme dienen. Doch trotz der Wichtigkeit von präventiven Angeboten stellt sich angesichts der finanziell angespann- ten Situation auf Landes- wie auch auf Bundesebene die Frage, ob der öffentliche Geldgeber diese auch in Zukunft finanzieren wird. Einspa- rungen im Präventionsbereich aber hätten zur Folge, dass Präventions- angebote aus der sozialen Land- schaft verschwinden und zukünftig nicht mehr existieren würden. Was würde dieses Verschwinden für Hil- fesuchende, für die Gesellschaft an sich bedeuten? Der Präventionsbereich ist jener Be- reich, in welchem Betroffene noch selbst in der Lage sind, sich Hilfe zu suchen, und sich aus freien Stücken dazu entscheiden, Hilfe und Unter- stützung in Anspruch zu nehmen, um ihre Lebenssituation zu verbessern und Problemlösungen zu erarbeiten. Werden nun diese niederschwelligen und direkt zugänglichen Angebote eingespart, so besteht für viele keine Möglichkeit mehr, sich Unterstüt- zung zu holen. Angebote, die darauf abzielen, Menschen frühzeitig Hilfe

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